Die eine hat einen betörenden Karamellton, die andere eine bittere Noblesse und eine dritte ist ein Wunder an Cremigkeit. Kein Zweifel: Schokoladen besitzen eigene Persönlichkeiten. Die Besten von ihnen sind beinahe so komplex und manchmal geheimnisvoll wie gute Weine.

Alles ist gut
Schokoladen bestehen aus annähernd 500 Substanzen. Und lediglich 200 Verbindungen sind bisher identifiziert.
Keine Frage: Sich einer Tafel hinzugeben, kann Verzückung auslösen und manchmal Enttäuschung, in seltenen Fällen aber kommt es zum Gefühl der Selbstvergessenheit. Das ist der Moment, in dem sich die Augen schließen und ein tiefer Seufzer alles ausdrückt. Dann spielen Zeit und Raum keine Rolle mehr. Und alles ist gut.
Warum das so ist? Dafür gibt es zahllose Gründe, aber nicht alles lässt sich erklären. Da ist beispielsweise die äußere Erscheinung der Tafeln. Manche glänzen verführerisch wie ein Mahagoni-Möbel, andere schillern haselnussfarben, wiederum andere scheinen aus Ebenholz. Und dann ihr Duft! Er erregt und lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Oder er kann Entspannung bringen und ein wohliges Gefühl hervorrufen. Letzteres wurde wissenschaftlich nachgewiesen und liegt unter anderem daran, dass Schokolade die Alpha- und Beta-Aktivität der Hirnströme erhöht.
Ist die Schokolade auf der Zunge angekommen, spürt der Organismus, das etwas ganz Besonders auf ihn zukommt. In der Kakaobohne ist unter anderem ein Stoff enthalten, den der Körper beim Verlieben freisetzt: Phenyletylamin. Jeder Schokoladengenuss kann einem daher ein klein bisschen Verliebtsein vorgaukeln. Dass er in jedem Fall anregend ist, liegt zusätzlich an den weiteren Inhaltsstoffen Theobromin und Koffein. Sie erhöhen die Pulsfrequenz und den Blutdruck, können sogar die Bronchien erweitern. Darüber hinaus finden sich in Schokolade Kohlenhydrate, Ballast- und Mineralstoffe und Vitamine. Ein Riegel enthält meist mehr Eisen als ein Glas Milch und mehr Calcium als die gleiche Menge Vollkornbrot oder Cornflakes.

Glücklich und gesund?
Bereits bei den Ureinwohnern Mittelamerikas wurde der Kakao auch als Stärkungsmittel und Arznei verwendet. Heute ist man den Gründen auf der Spur. Je dunkler eine Schokolade ist, desto gesünder scheint sie zu sein. Denn dann enthält sie mehr pflanzliche Substanzen, so genannte Flavonoide, die vor Arterienverkalkung schützen und das „schlechte“ LDL-Cholesterin im Blut vor Sauerstoffattacken bewahren. Außerdem können sie Krebs vorbeugen. Wissenschaftler der Penn-State-Universität vermuten, dass diese Pflanzenstoffe den oxidativen Stress senken und so einen schützenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System ausüben. Schokolade ist demnach gut für Herz und Hirn.
Und was den angeblich so schädigenden Zucker in den Tafeln angeht: Laut einer schottischen Studie, der eine Langzeit-Beobachtung von 3000 Schulkindern zugrunde liegt, hält die Kakaobutter in der Schokolade den Zucker von den Zähnen ab. Wer hätte das gedacht?
Anders verhält es sich freilich bei Bestandteilen wie Karamelcreme oder anderen klebrigen Massen, die sich in aller Ruhe in die Zahnzwischenräumen einnisten können. Selbst wenn vieles noch unbewiesen ist, eines ist sicher: Ein besonderes Stück Schokolade macht zwar nicht schlanker, aber glücklicher. Und man muss ja nicht gleich die ganze Tafel essen!

Schreibe ein Kommentar